Samstag, 3. November 2007

Isla del Sol und der Titicaca See

Unglaublich! Wir schaffen es um sieben aus den Betten, die Rucksäcke zu deponieren, das Zimmer zu bezahlen, Geld zu wechseln, das Busticket nach La Paz zu kaufen und zu frühstücken um pünktlich zur Abfahrt um 8:00 am Boot in Richtung Isla del Sol zu sein. In See gestochen sind wir dann um 8:45. Ich finde jeder Tag sollte so beginnen!

Eigentlich ohne grosse Erwartungen sind wir gute zwei Stunden später an der Nordspitze der Insel angekommen. Die Isla del Sol beherbergt, der geläufigsten Inka-Schöpfungstheorie folgend, den Geburtsort der beiden Götterkinder Manco Kapac und Mama Ocllo in Form eines heiligen Felsens. Nun hatten wir gute fünf Stunden Zeit um eine Wanderung bis zur Südspitze zu machen. Wie wir recht schnell merken sollten haben es sich die paar wenigen Bewohner der Insel zur Angewohnheit gemacht die Touristen für Fotos bezahlen zu lassen. Und wenn es nur die eigene Schafherde ist, die dem künstlerisch ambitionierten Hobbyfotografen gerade ein paar Verrenkungen wert ist. Ein junges Mädel bestand ganz hartnäckig auf ihre Bezahlung. Leider hatten wir unser letztes bolivianisches Geld für die Tickets springen lassen. Und jetzt erklär' mal auf Quechua das dein kleinster Geldschein eine 10-Dollar-Note ist. Obwohl sie nur einen Boliviano haben wollte, meinte das Mädel plötzlich mit einem verschmitzten Grinsen, das sie auch Dollar nimmt und wir uns für den Rest noch ein, zwei Wasserflaschen und etwas zu knabbern nehmen könnten. (Der Dollar ist momentan 8 Bolivianos wert!) Wir haben uns noch einige Male bei ihr entschuldigt und mehr oder weniger lachend haben sich dann unsere Wege getrennt. Auch wenn wir die heiligen Orte und historischen Stätten der Insel aus finanzpolitischen Gründen gemieden haben war es ein absolut entspannter Tag mit bestem Wetter.

Um 18:30 sollte unser Bus nach La Paz fahren. Gegen halb sechs kamen wir von unserem Ausflug zurück. Spontan wollten wir noch Trucha (Forelle) in einem der Strandrestaurants (Holzhütten mit Gartenstühlen) essen. Unser Plan, dort Platz zu nehmen wo keine Gäste sitzen um besonders schnell das Essen serviert zu bekommen, wollte nicht so richtig aufgehen. Als es soweit war hatten wir 15 Minuten um die wirklich gute Forelle zu verschlingen, die Rucksäcke aus dem Hotel zu holen und unseren Bus zu finden. Wie immer herrscht ziemliches Chaos vor der Abfahrt und wir werden hektisch zum falschen Bus gewunken und unsere Rucksäcke auf das Dach verfrachtet. Als sich dann im Bus die Anzahl der Sitzplätze ungleich zu der Anzahl der Fahrgäste verhält wird der Irrtum schnell augenscheinlich. Der "richtige Bus" klingt wie ein Panzer und sieht aus als hätte er an beiden Weltkriegen teilgenommen. An der Fährstation steigt die Mehrzahl der Reisenden aus, Mario auch um etwas zu trinken zu holen. Ich bleibe sitzen und beobachte wie der Bus auf die wacklige Holzfähre rollt. In der Zeit verschwinden die anderen Reisenden in einem kleinen Boot, das sie anscheinend schneller an's andere Ufer bringt. Mario habe ich in der Dunkelheit aus den Augen verloren als sich auch der Bus vom Ufer zu entfernen beginnt. In der guten halben Stunde der Überfahrt habe ich genug Zeit um mir Gedanken zu machen ob ich Mario heute noch einmal wiedersehe oder am anderen Ufer mit den Rucksäcken den Bus verlassen soll. Erstaunt beobachte ich, das die Fährmänner nur mit Taschenlampen ausgestattet ihre Fracht zwischen den vielen anderen Booten hindurch manövrieren. Mit einem Grinsen denke ich an Deutschland und die Wahrscheinlichkeit der gleichen Szenerie. Auf der anderen Seite steigt dann auch Mario wieder in den Bus und wir legen grinsend Verhaltensmassnahmen für eventuell folgende Ereignisse dieser Art fest. Wieder auf der Strasse sehen wir später einen Geländewagen völlig zerbeult und auf dem Dach im Strassengraben liegend. Die Insassen liegen aus dem Fahrzeug geschleudert tot auf der Fahrbahn.

Es ist kurz nach 22:00 Uhr und wir fahren seit gut 30 Minuten durch die Aussenbezirke von La Paz als der Blick endlich über den Rand des Altiplano und in den Canyon frei wird. Ein riesiges Lichtermeer deutet die Ausmasse der Stadt an. Kontrastprogramm bieten die Ärmsten der Armen, die in Müllbergen an der Strasse liegen und Reste von Essbarem in ihre eigenen Plastetüten klauben. Dazwischen sieht man kopulierende Hunde. Ich möchte durch keine der endlos langen und schwach beleuchteten abzweigenden Strassen alleine gehen müssen.

La Paz ist die höchstgelegene Hauptstadt der Welt. Das Stadtzentrum befindet sich auf 3.636 Höhenmetern, 400 Meter unterhalb des Flughafens und der Neustadt El Alto. Die Häuser der Armenviertel klammern sich an den Rand des Canyons und erstrecken sich weit über das Altiplano hinaus. Wir verlassen den Bus im Friedhofsviertel. Sofort begrüssen uns zwei Polizisten und klären uns über die in La Paz herrschenden Sicherheitsrisiken auf. Es ist spät, das gesprochene Spanisch zu schnell für unsere Ohren, aber wir bekommen die Kernaussagen mit. Unser Reiseführer war in der Beziehung schon recht informativ. Dass die Polizisten persönlich das Taxi für uns heranwinken, sich die Fahrerlaubnis des Fahrers geben lassen und das Kennzeichen notieren, lässt Unerfreuliches erahnen. Das Hostel ist wieder eine Entäuschung.

Isla del Sol

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