Donnerstag, 11. Oktober 2007

Ica und Huacachina

Gegen 8:00 Uhr sassen wir bereits wieder im Bus nach Ica. Das an der Strasse gekaufte Frühstück fiel mit einer Banane und 4 Keksen für jedermann wieder üppig aus. Die einstündige Fahrt nach Ica führte uns fast ausschliesslich durch ausgestreckte Wüstengebiete. Da gab es bis zum Horizont nichts ausser Sand. Aber unser Ziel war ja eh die Oase Huacachina, ca. 200 Einwohner und umgeben von riesigen Sanddünen. Der schwefelhaltigen Oase sagt man eine heilende Wirkung für Rheumaleiden zu. Wiederum für uns kein Grund in das fragwürdige Wasser, auf dem auch ein paar Tretboote herum schippern, zu springen.

Kurz vor 10:00 Uhr sassen wir bereits an der Oase, als Anne und Martin entlang der "Promenade" auf uns zugeschlendert kommen. Bei einem bis um 12:00 ausgedehnten Frühstück haben wir unser Wiedersehen gewürdigt und einen glorreichen Plan für den heutigen Tag geschmiedet. Zuerst eines der vielen Weingüter um Ica, die Stadt ist Ursprung der Wein- und Piscoherstellung in Peru, inklusive augiebiger Verkostung besichtigen. Und für den Abend alle Zutaten für ein leckeres Essen einkaufen, da wir in unserem Hostal endlich wieder einmal eine Küche benutzen konnten. Die Führung im Weingut Vista Allegra war auch wirklich interessant, leider fiel die Verkostung nicht in dem von uns gedachten Umfang aus. Die uns offensichtlich vorenthaltenen Liter an Wein mussten wir also beim Einkauf mit berücksichtigen. So haben wir uns dann die Pasta auch mit reichlich Gato Negro schmecken lassen. In dem trockenen Klima soll man ja lieber etwas mehr trinken um dem Flüssigkeitshaushalt gerecht zu werden!

Weingut Vista Allegra


Huacachina

Pisco, zwei Monate nach dem Erdbeben

Ehrlich gesagt fehlen mir die Worte! Wir haben versucht die Stimmung und das derzeitige Gefühl in dieser Stadt in ein paar Bildern festzuhalten.

Mit etwas gemischten Gefühlen sind wir heute in die Stadt um ein paar Fotos zu machen. Sollte man in dieser Situation noch Fotos machen? Während die Betroffenen uns aus ihren Notunterkünften betrachten? Und uns plötzlich ein Lachen schenken!?
Ganz entgegen unseren Erwartungen sind Familien, Bauarbeiter, Kinder auf uns zugekommen, haben mit uns gesprochen und uns komischerweise den hochgereckten Daumen gezeigt! Als Zeichen unserer Tapferkeit? Aus Anerkennung das wir in diesem Chaos "Urlaub machen"? Eigentlich müssen wir den Menschen hier den ausgestreckten Daumen zeigen! Aus Respekt, das Sie sich von diesem Erdbeben nicht haben unterkriegen lassen. Und genau das haben wir auch gemacht!

Es gibt fast keine Geschäfte mehr, vor den paar wenigen stehen die Menschen in langen Schlangen an. Die Telefongesellschaften haben Zelte aufgebaut in denen man telefonieren kann. Bankgebäude, Polizeistationen oder Krankenhäuser sind in provisorischen Ersatzbauten oder einfachen Zelten untergekommen. Überall liegen immer noch die Trümmerreste vieler Gebäude auf den Strassen, an vielen Stellen riecht es streng nach Kloake.

In der Strasse unseres Hostels sind wir auf eine Gruppe Kinder und Jugendliche gestossen, die gerade Volleyball spielten. Als sie uns und unsere Kameras entdeckt hatten gab es bei den Jüngeren kein Halten mehr. Jeder wollte fotografiert werden und sein Bild ansehen. Immer und immer wieder! Sie waren alle ziemlich aus dem Häuschen. Komisch mit welchen einfachen Mitteln man hier ein Lachen zaubern kann! Und als kleine Zugabe gab es auch plötzlich noch einen Hahnenkampf als zwei Jugendliche ihre Streithähne auf einander losgelassen haben. Das Ganze hat keine 5 Minuten gedauert - ein paar eindrucksvolle Fotos davon gibt es aber.

Pisco

Mittwoch, 10. Oktober 2007

Paracas National Reserve

Mit Rico sind wir nach einem kleinen Frühstück auf dem Markt zum Paracas Reservat gefahren. Von hier ging es mit einem Speedboot zu den Ballestas Inseln. So eine Art Gallapagos Inseln für den kleinen Geldbeutel. Auf diesem von Guano malträtierten Archipel kann man Humboldt-Pinguine, Kormorane, Tölpel und amerikanische Seelöwen beobachten. Hier herrscht eine der höchsten Seevögelkonzentrationen unserer Erde. Genauso hat es aber auch gerochen. Der beissende Gestank von Guano reichte bis zu unserem Boot, der aber hier wohl von einzigartiger Qualität ist und im 19. Jahrhundert zu einem Guanoboom, als Düngemittelgrundlage, führte.

Auf einer Nachbarinsel konnte man noch den Kandelaber bestaunen, ein in den Dünen geschaffenes Scharrbild mit bisher ungeklärter Aussage. Die Form kommmt einem Dreizack nahe, deshalb wird vermutet, das es als Orientierungshilfe für Seefahrer an dieser Stelle geschaffen wurde.

Paracas National Reserve


Und hier noch ein paar Eindrücke aus dem Küstenort El Chaco:

El Chaco

Dienstag, 9. Oktober 2007

Lima - Pisco

Nachdem wir einen Tag völlig umsonst in Lima's Stadtviertel Miraflores herumgerannt sind um neue Trekkingschuhe zu bekommen ging es um 17:00 Uhr mit dem Bus nach Pisco. Wir haben wenigstens endlich einen kompetenten Reiseführer, den Footprint Südamerika 2007. So hatten wir uns auch schon ein Hostal in Pisco rausgesucht. Unser Bus hielt an der Panamericana, auf Höhe der Verbindungsstrasse nach Pisco. Kaum aus dem Bus raus, fallen die Taxifahrer auch schon wieder über uns her. Ein junger Kerl, Rico, schafft es und wir steigen ein. Wir sitzten keine 5 Minuten im Taxi, da wird auch schon der Ausflug für morgen mit ihm vereinbart. Er zwingt uns das Paracas National Reserve förmlich auf. Obwohl wir ja auch einfach hätten nein sagen können, während wir durch die vom Erdbeben ziemlich stark zerstörte Innenstadt fahren und uns Rico einen Ort nach dem anderen zeigt an welchem jeweils zuviele Menschen gestorben sind. Wahrscheinlich sind wir noch etwas zu perplex von dem Anblick der zerstörten Gebäude und der provisorischen Zeltstätten um auch nur irgendwie anders zu reagieren ausser ja und Amen zu sagen. Unser auserwähltes Hostal hat das Erdbeben wohl offensichtlich nicht ganz schadlos überstanden. Der Betreiber weisst uns freundlicherweise darauf hin, das die Wasserleitungen defekt sind und nur in Flaschen abgefülltes Wasser bereit stünde. Wir lehnen dankend ab und fahren mit Rico zum nächsten Hostal. Ein wirklicher Glücksgriff und eigentlich nicht für möglich zu halten. Ordentliche und saubere Zimmer, ein gefliesstes Bad, Internet, TV - alles Bestens. Da sieht man auch gern darüber hinweg, dass das Treppenhaus auf unserem Stockwerk einfach aufhört und wir direkt auf die Strasse schauen können. Es wird wohl alles gerade neu hergerichtet.

Donnerstag, 4. Oktober 2007

Santa Cruz Trek - Tag 5

Obwohl wir den Rum und das Bier als tiefschlafunterstützende Massnahmen zu uns genommen haben war der Schlaf auch diese Nacht weit von uns entfernt. Es ist wirklich merkwürdig. Man kommt völlig fertig im Lager an, schafft es noch das Zelt aufzubauen und Essen zuzubereiten und den Abend in gemütlicher Runde zu verbringen. Sobald man im Schlafsack liegt ist an Schlaf nicht mehr zu denken. So ging es uns zumindest, der Rest der Meute hatte offensichtlich wie immer sehr gut geschlafen.

Egal, nachdem wir in den letzten Tagen jeden Morgen immer schneller mit unseren Aufgaben fertig waren haben wir es heute etwas langsamer angehen lassen. Das Frühstück (eine Tasse Kakao) war auf Grund der wenigen Bestandteile recht schnell erledigt. Die Kälte lies den Wunsch nach einer Tasse Coca-Tee in uns aufsteigen. Leider verabschiedete sich genau jetzt unser restliches Benzin im Kocher. Nilo, der gerade mit Kevin am Aufbrechen war und an unserem Zelt vorbei kamen, unterstützte uns dann mit seinen Resten an Brennspiritus. Aufgrund der mittlerweile fortgeschrittenen Zeit entschieden wir uns gegen den Tee und machten uns zur letzten Etappe auf. Der Weg bis Cashapampa war grösstenteils wieder stark mit Geröll geprägt und teilweise ist man 30 Minuten lang nur über grosse Felsbrocken balanciert. Ich war froh über meine Trekkingstöcke!

In Cashapampa angekommen wollte uns so ein lustiger Einheimischer in einem kleinen Holzverschlag, in dem sich die Trekker austragen konnnten, $ 5 pro Mann aus dem Kreuz leiern. Angeblich Eintrittsgebühr für den Nationalpark. Wir haben versucht ihm zu erklären, das wir ja gar nicht in den Park gehen sondern gerade aus diesem heraus kommen. Hat aber alles nichts genutzt. Er wollte die $ 10 haben, die wir ihm wiederum nicht geben wollten. Wieso redeten wir eigentlich von Dollar? Der von uns bezahlte Eintritt war ja auch in Sol zu bezahlen. Mit unseren paar Brocken Spanisch teilten wir ihm mit er könne ruhig die Polizei rufen, damit wir dieses Problem gelöst bekommen. Da wir aber schon im Gefühl hatten hier offensichtlich betrogen zu werden, haben wir seine Entscheidung gar nicht erst abgewartet und sind in das bereits wartende Collectivo eingestiegen. Die Fahrt wurde dann auch noch sehr spannend! Um das eigentliche Taxi in ein Collectivo umzuwandeln, und so eine ganze Menge Geld zu sparen, würde der Fahrer noch 4 weitere Fahrgäste auf der Strecke nach Caraz einsammeln. Da wir in einem Kombi sassen, war das für uns keine Problem. Dachten wir! Der Wagen wurde immer voller, zum Schluss sassen für den Grossteil der Strecke auf dem Beifahrersitz 2 Frauen mit Kleinkind, wir und zwei Frauen auf der Rücksitzbank und im Kofferraum nahmen noch einmal zwei Frauen Platz. Die gut einstündige Fahrt über eine Schotterpiste und immer am Abgrund entlang wird mir wohl auch für immer im Gedächtnis bleiben! Ziemlich ausgehungert wurde in Caraz auf dem Markt erstmal Essen gefasst. Anschliessend sassen wir noch einmal 1,5 Stunden wieder eingepfercht im nächsten Collectivo bis Huaraz.

Abends haben wir uns dann in einem guten Restaurant ordentlich die Bäuche mit einem sehr guten Salat und einer Pizza - für jeden - vollgeschlagen. Herrlich!

Mittwoch, 3. Oktober 2007

Santa Cruz Trek - Tag 4

Die Anstrengungen der letzten Tage und der fehlende Schlaf lassen uns heute morgen etwas zerknüllt und unfit erscheinen. Nach einem vollwertigen Haferflockenfrühstück packen wir unsere Sachen und nehmen die heutige Tagesstrecke in Angriff. Vor uns liegen gute 15 Kilometer durch das Santa Cruz Tal. Gleich zu Beginn machen wir noch einen Abstecher zum Alpamayo Massiv. Der Alpamayo wurde übrigens in den 70er Jahren in München als schönsten Berg der Welt gewählt. Da mein rechter Fuss etwas wundgelaufen war bin ich den Abstecher nicht bis zum Schluss mitgelaufen. Mario ist alleine los um den fast 6.000m hohen Riesen zu besuchen. Ich habe es mir in der Zwischenzeit auf der Bergwiese gemütlich gemacht, ein paar Fotos geschossen und mit den Kühen beim Grasen zugesehen. Der Engländer Kevin und sein Guide Nilo, denen wir seit gestern immer wieder einmal begegnet sind, waren uns heute wieder den ganzen Tag auf den Fersen. Kevin, der ein Trikot seines favorisierten Fussballvereins dabei hatte, fühlte sich berufen an jeder mehr oder weniger wichtigen Wegmarke ein Foto von sich mit eben diesem Trikot zu machen. Engländer halt! ;-) Die kurze Tagesetappe haben wir recht zeitig gegen 15:00 im Lager beendet. Die geschrumpften Essensvorräte liessen heute nur eine schmale Champignonsuppe angereichert mit etwas Reis zu. Dazu hatten wir noch die mittlerweile steinharten Semmeln aus Colcabamba. Den Abend verbrachten wir mit Kevin, Nilo und einer anderen Gruppe aus Engländern, Neuseeländern und Amerikanern bei einer ordentlichen Tasse Rum-infizierter Cola am nicht ganz legalen Lagerfeuer. Denn unglaublicher Weise gab es hier mitten in der Pampa einen Kiosk der unter anderem Cola, Bier und Schokolade, halt alles was ein ausgehungerter Wandersmann vertragen kann, auf Lager hatte.

Dienstag, 2. Oktober 2007

Santa Cruz Trek - Tag 3

Mit der Überquerung des 4.750 hohen Passes Punta Union stand uns heute der anstrengendste Tag bevor. Die letzte Nacht war wieder mehr schlecht als recht vorüber gegangen.

Bereits zur Routine geworden hat jeder Handgriff beim Frühstück zubereiten und Packen gesessen und wir waren bereits vor 9:00 Uhr wieder unterwegs. Langsam haben wir uns durch das langgestreckte Tal weiter vorwärts getrieben. Und es ging stetig nach oben. Heute kamen uns auch eine ganze Menge Trekker entgegen. Dabei viel mir auf, das wir zwei wirklich die Einzigen sind die ihre Ausrüstung selber tragen. Und das sollte auch bis zum Schluss so bleiben. Alle anderen hatten Guides, Esel bzw. Lamas und Viehtreiber angeheuert.

Als wir endlich vor der das Tal umschliessenden Gebirgskette standen und ich den schmalen Pass in weit entfernter Höhe gesehen hatte spürte ich plötzlich die letzten beiden Tage in meinen Knochen. Komisch, wenn man am Morgen einmal aufgestanden ist hat man die Anstrengung vom Vortag längst wieder vergessen. Jetzt waren sie mir umso deutlicher gegenwärtig. Irgendwann standen wir ungefähr auf halber Höhe und ich war ziemlich ausgepauert. Wahrscheinlich auch kein Wunder, wir hatten eine ordentliche Steigung und eine gute Strecke in nur einer halben Stunde runter geritten. Jetzt war erstmal eine längere Pause nötig. Die in Colcabamba gekauften Semmeln waren auch schon steinhart und liessen sich nur noch in Suppe aufgeweicht geniessen, also blieben uns nur noch ein paar Mandarinen und ein paar Müsli-Riegel. Gestärkt nahmen wir die letzten 200 Höhenmeter im Schneckentempo in Angriff. Wirklich am Pass anzukommen war ein herrliches Gefühl und man fühlte sich etwas in die Zeit zurück versetzt als diese Art zu Reisen ganz normal war. Und oftmals ist sie es hier ja noch heute. Den Blick über die zwei unter uns liegenden Täler haben wir dann ausgiebig genossen.

Der Abstieg zum 500 Höhenmeter tiefer gelegenen Camp war leider fast ausschliesslich auf losem Geröll zu absolvieren. So war noch einmal absolute Konzentration gefragt, denn einen angeknacksten oder gebrochenen Knöchel wollte hier keiner von uns Beiden haben. Kurz vor 16:00 Uhr sind wir am Campingplatz Taullipampa angekommen. Von hier schien der Gipfel des Taulliraju immer noch zum greifen nah. Und der Blick auf die unser Lager umgebenden Gipfel war einfach nur fantastisch!

Montag, 1. Oktober 2007

Santa Cruz Trek - Tag 2

Die Nacht war kurz! Obwohl wir am Abend zuvor ziemlich fertig in unsere Schlafsäcke gekrochen sind konnte keiner von uns einschlafen. Durch die Höhe bedingt haben wir beide mehr geruht als geschlafen.

Nach dem Aufstehen, Essen machen, heute Haferschleim mit Trockenmilchpulver, Zelt abbauen und Ausrüstung verstauen ging der Trek für uns erst los. Der eigentliche Startpunkt liegt nämlich hinter dem Pass und in der Ortschaft Colcabamba. Die Laguna 69 gehört eigentlich gar nicht dazu und ist eher ein Abstecher. Nun hatten wir schon ein Problem - uns fehlte Verpflegung für einen Tag! Egal, erstmal zurück auf die Strasse und losgelaufen. Zum Glück wartete gerade ein Taxi, was für uns erstmal kein Taxi sondern ein Collectivo war, auf zurückkehrende Wanderer. Auf die Frage was die Fahrt bis nach Colcabamba kosten solle hat er eine uns unverständliche Zahl entgegengenuschelt. OK, dann nicken wir halt einfach freundlich zurück und mit einem lockeren "perfecto" auf den Lippen steigen wir ein. Wir haben so einen weiteren Kilometer auf der staubigen Schotterpiste hinter uns gebracht, als Mario offensichtlich doch etwas verunsichert, was die Höhe des Bevörderungsentgelts anbelangt, noch einmal nachfragt. Nun wird deutlich, das wir eigentich in einem Taxi sitzen und unser durchaus nette Fahrer SOL 100,- haben möchte. Wir entschuldigen uns höflich bei ihm, lassen ihn wissen das wir wohl etwas mit den Ohren hätten und steigen aus. Netterweise wollte er für die gefahrene Strecke kein Geld haben! Es war gerade kurz nach 11 und der Taxifahrer liess uns noch wissen das gegen 15:00 Uhr wohl ein Bus kommt. Auch gut, dann laufen wir halt so weit wir kommen. Die Serpentinenstrasse sah aber nicht wirklich einladend aus und unter Trekken stellt man sich wohl auch etwas anderes vor. Wir hatten weitere 1,5 Kilometer geschafft als wir unter uns tatsächlich einen Bus die Strasse hochschleichen kommen sehen. Für SOL 20,- durften wir dann vorn beim Fahrer mitfahren. Der Panoramablick war teilweise fantastisch! Die eine Stunde dauernde Fahrt möchte ich aber nie wieder in meinem Leben wiederholen müssen. Keine Ahnung wie oft ich vorn, bei der Einstiegstür, schon über dem Abgrund gestanden habe. Die Strasse ist so schlecht und eng das der Fahrer in mehreren Kurven auch noch zurücksetzen musste. Als er mit seinen anderen Leuten vorn auch noch in ein lustiges Gespräch verfällt, dabei immer weniger auf die Strasse schaut und auch noch anfängt die CD zu wechseln wollte ich am liebsten springen! Aber wie so oft bisher sind wir gut in der Nähe von Colcabamba angekommen. Da wir noch einmal Proviant nachkaufen mussten haben wir einen Umweg in das kleine Dorf gemacht. Auf dem Weg begegnen wir einem alten Mann der sich mit einem riesigen Stapel Holzscheite abmüht, die er sich auf den Rücken binden will. Ich glaube wir haben ihn genauso fasziniert angeschaut wie er uns. In Colcabamba ist die Zeit bis auf wenige Ausnahmen einfach stehen geblieben. Dort gab es für uns die besten Mandarinen, die ich bisher gegessen habe. In einem kleinem Lädchen kauften wir noch ein paar Semmeln, Kekse und gönnten uns eine Coke. Ich sage ja, die Zeit ist fast stehen geblieben!

Drei Jungen haben uns dann noch ein Stück den Weg aus dem Dorf begleitet. Was wir vorher alles bergab gelaufen sind durften wir nun auf der anderen Seite des Tals wieder bergauf marschieren. Mittlerweile war es nach 12 und wir hatten noch gute 10 Kilometer vor uns. Auf dem Weg haben wir noch viele kleine Siedlungen gesehen, in denen die Einheimischen heute noch ohne Strom und auf sehr einfache Weise leben. Gegen halb sechs haben wir den Campingplatz Paria erreicht. Nachdem es gestern Nudeln mit Tomatensosse gab waren wir heute kreativ und haben Reis mit Tomatensosse gemacht. Leider jedesmal mit Fertigsosse - des Gewichts wegen. Wenn wir die Sosse mit frischen Tomaten, Zwiebeln und einer ordentlichen Portion Knoblauch selbst machen sind wir immer mehr als zufrieden. So wollte es uns heute nicht so recht schmecken. Gegen die Kälte half dann noch ein frisch gebrühter Coca-Tee.